Basen tun dem Organismus gut
Kann der Organismus übersäuern?
Zahlreiche Hinweise sprechen dafür, dass zu viel Säure aus der Nahrung die Ursache für verschiedene Krankheiten ist.
Brüchige Knochen, Muskelabbau, Gicht, Rheuma, Verdauungsstörungen und noch weitere Erkrankungen werden in der Naturheilkunde mit einem gestörten Säure-Basen-Haushalt in Verbindung gebracht.
Schulmediziner hingegen sehen keine überzeugenden Belege dafür, dass sich solche Beschwerden durch einen ernährungsbedingten Säureüberschuss entwickeln können. Der gesunde Körper verfügt ihrer Ansicht nach über effektive Puffersysteme, die jegliche Säureflut neutralisieren können.
Vor diesem Hintergrund wird das Thema schon seit Jahrzehnten von Schulmedizinern und Anhängern von Naturheilverfahren kontrovers diskutiert. Beim jetzigen Stand der Dinge ist es nicht von der Hand zu weisen, dass schon leichte Verschiebungen des Stoffwechsels in den sauren Bereich Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigen können.
Der Körper regelt das alleine
Der Säure-Basen-Haushalt ist ein wichtiges Regulationssystem im menschlichen Körper. Komplexe Stoffwechselvorgänge halten das Verhältnis von Säuren und Basen im Gleichgewicht. Im Blut liegt der pH-Wert beispielsweise konstant in einem leicht basischen Bereich zwischen 7,35 und 7,44. Schon geringe Abweichungen in die eine oder andere Richtung würden das gesamte System aus dem Gleichgewicht bringen.
Schwankungen stören den Stofftransport, die Tätigkeit von Enzymen und Hormonen, die Durchlässigkeit der Zellmembranen und die Verteilung von Elektrolyten. Bis auf den Magen, der diese Verhältnisse für optimale Verdauungsleistung benötig, herrscht das basische Milieu vor.
Eine zentrale Rolle für die Regulation spielen dabei die körpereigenen Puffersysteme in Blut, Nieren und Knochen. Die skeptischen Experten argumentieren, dass der Körper bei einer einigermaßen ausgewogenen Ernährung in der Lage ist, die erforderlichen pH-Werte konstant zu halten. Außerdem übernähmen die Nieren die Ausscheidung von überschüssigen Säuren.
Für andere steht wiederum fest, dass dieses System nicht in jedem Fall einen konstanten pH-Wert garantieren kann. Als wichtigste Ursache für eine Übersäuerung des Körpers wird der heutzutage vorherrschende Ernährungsstil, der zu viele tierische und zu wenig pflanzliche Lebensmittel beinhaltet, genannt. Aber auch das Nachlassen der Nierentätigkeit ab dem 40. Lebensjahr wird als Grund angeführt.
Keine Frage des Geschmacks
Noch sind auf diesem Gebiet zahlreiche Fragen offen und die Empfehlungen in den verschiedenen Ratgebern und Veröffentlichungen sind auch nicht immer einheitlich. Zum Effekt der verschiedenen Lebensmittel auf den Säure-Basen-Haushalt finden sich zum Teil unterschiedliche Angaben.
Mal ist isolierter Zucker als stark säurebildend eingestuft, mal ist er neutral bewertet. Unklar bleibt oft auch, wie die Autoren zu ihren Einschätzungen kommen. Übereinstimmung gibt es dabei, dass Obst und Gemüse, Kartoffeln und Trockenfrüchte als basisch eingestuft werden. Mineralwasser, Molke und Sauermilchprodukte werden eher als schwach basisch wirkend bewertet. Stark säurebildend sind dagegen Fleisch, Wurst, Eier, Fisch sowie Schnitt- und Hartkäse. Auch Genussmittel wie Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee werden dazu gezählt. Produkte aus Vollkorn- sowie Weißmehl gelten als schwache Säurebildner.
Es ist also keine Frage des Geschmacks, ob ein Lebensmittel sauer oder basisch ist. Zitronen beispielweise schmecken ziemlich sauer. Trotz der Zitronensäure wirken diese Früchte durch ihre Inhaltsstoffe eher basisch. Was zählt, ist das, was nach dem Verdauungsprozess überwiegend im Organismus vorhanden ist. Dabei enthält die Zitrone sehr leicht verstoffwechselbare Zitronensäure und basische Mineralstoffe. Die Zitrate (Salze) aus Äpfeln und Zitrusfrüchten zählen sogar zu den besonders effektiven Basenspendern. Ob ein Lebensmittel als sauer oder basisch eingeordnet wird, richtet sich daher eher nach ihrem Verhalten im Körper, wenn sie verdaut und in den Stoffwechsel eingegangen sind.
Durch einen langfristig zu hohen Anteil an säurebildender Nahrung – so die Theorie – stoßen die körpereigenen Puffersysteme früher oder später an ihre Grenzen. Um die Säureflut neutralisieren zu können, benötigt der Körper Mineralstoffe, die er dann oft den Knochen entzieht. Hinzu kommt, dass ein niedriger pH-Wert die Aktivität der Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) steigert und die Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) hemmt. Osteoporose kann damit das Resultat einer langfristig zu sauren Ernährung sein.
Studien zeigen, dass Osteoporose in Ländern, in denen viel Fleisch gegessen sowie viel Kalzium aufgenommen wird, wesentlich häufiger vorkommt als in Ländern mit geringerem Fleisch- und auch Kalziumverzehr. Bei vegetarischer Ernährung ist die Knochendichte messbar höher. Das Ergebnis vieler Studien ist, dass eine basenreiche Kost die Knochendichte erhöht.
Des Weiteren wird vermutet, dass sich überschüssige Säure im Bindegewebe ablagert, was die Funktion von Sehnen, Bändern und Gelenken beeinträchtigen und sich durch Verspannungen und Schmerzen äußern kann. Auch unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Infektanfälligkeit stehen im Verdacht, von einem zu hohen Säuregehalt hervorgerufen zu werden. Möglich ist daher auch, dass eine chronische Übersäuerung jahrelang nicht bemerkt wird.
„5 am Tag“ bleibt elementar
Dass eine gesunde, vielseitige Ernährung nur von Vorteil sein kann, ist bei allen Meinungsrichtungen mittlerweile unstrittig. Eine pflanzenbetonte, ausgewogene Kost mit viel Obst und Gemüse, die den Körper mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt, sollte daher grundsätzlich angestrebt werden.
Auch die „5 am Tag“-Regel – was heißt, dass fünfmal am Tag Obst und Gemüse auf den Teller sollte – gewinnt in diesem Zusammenhang erneute Bestätigung.
Basisch:
Trotz oft saurem Geschmack liefert Obst basische Vitalstoffe. Auch Blattsalate und Gemüse sind reich an basisch wirkenden Bestandteilen. Getreide ist das einzigen pflanzliche Lebensmittel mit Säure-Effekt.
Sauer:
Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Wurstwaren und Fisch erhöhen die Säurelast. Milch und Milchprodukte liefern wegen ihres hohen Eiweißgehalts Säure.





