Fasten ist mehr als nichts essen!
Im Gegensatz zum Hungern ist Fasten ein freiwilliger Verzicht auf Nahrung über einen begrenzten Zeitraum. Das Fasten basiert auf alten, meist religiösen Traditionen. Einige Weltreligionen kennen bestimmte Fastenzeiten, z. B. der Islam den Ramadan, das Christentum die Fastenzeit vor Ostern. Im antiken Griechenland war Fasten als Heilmethode bekannt, und auch im Mittelalter wurde das Fasten als Therapieform angewendet.
In den Industrieländern sind die religiösen Beweggründe des Fastens in den Hintergrund getreten. Hier steht der medizinisch-therapeutische Aspekt im Vordergrund.
Oft wird das Fasten als Einstieg in eine dauerhafte Ernährungsumstellung oder als Mittel zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte angesehen. Fasten ist demnach mehr als nur ein Mittel, möglichst schnell Gewicht zu verlieren.
Im Zusammenhang mit Fasten sprechen Befürworter häufig von einer „Entschlackung“. Der gesamte Organismus werde von innen gereinigt. Dies ist aber wissenschaftlich nicht haltbar, da es im gesunden Körper keine Ansammlung von so genannten „Schlacken" gibt. Nicht verwertbare Stoffe werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr beim gesunden Menschen über die Nieren ausgeschieden.
Die positiven Wirkungen sollen neben dem Körper auch den Geist und die Seele mit einbeziehen. In der Tat berichten viele Menschen, die bereits gefastet haben, von starken emotionalen Erfahrungen und einem neuen Bewusstsein hinsichtlich der Nahrungsaufnahme.
Nicht in jeder Lebenssituation ist das Fasten empfehlenswert, z. B. kann sich der Harnsäurespiegel bei stark übergewichtigen Menschen so erhöhen, dass es zu Gichtanfällen kommt. In den ersten drei Tagen des Fastens kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und depressiver Stimmungslage kommen. Auf schwere körperliche Anstrengung sollte deshalb verzichtet werden.
Nicht fasten sollten:
- Schwangere, Stillende
- Kinder und Jugendliche
- alte Menschen
- Menschen mit bestimmten Herzerkrankungen
- Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel
Formen des Fastens
Unterschiedliche Fastenformen
Aus der Fastenbewegung sind unterschiedliche Fastenformen entstanden, die sich durch die Ergänzungen, aber auch durch das Begleitprogramm unterscheiden.
Bei allen Varianten sind positive Fastenerfolge zu verzeichnen, und es ist mehr eine Frage der persönlichen Vorliebe, für welche Fastenart man sich entscheidet.
Neben den Getränken werden je nach Fastenrichtung verschiedene Zusätze gegeben, die geringe Mengen an Kalorien enthalten können. Solange die Energiezufuhr unter 500 kcal bleibt, werden die erwünschten Fastenwirkungen nicht beeinträchtigt. Zusätze wie Saft und Gemüsebrühe, Molke oder Milch gewährleisten zudem eine geringe Vitamin- und Mineralstoffzufuhr. Durch Säfte, eventuell ein bis zwei Teelöffel Honig, Brötchen oder Getreidebrei wird dem Körper auch etwas Glucose zugeführt. Dies trägt dazu bei, dass während der Fastenzeit weniger Protein abgebaut wird.
Bei schlanken Fastern oder einem sehr langen Fastenzeitraum ist darüber hinaus eine geringe Proteinzufuhr über Buttermilch oder Molke sinnvoll. Bei einigen Fastenvarianten sind Molke oder Milch ohnehin fester Bestandteil des Fastenmenüs.
Das Heilfasten
Das Heilfasten dient nicht primär der Gewichtsreduktion
Das Heilfasten dient nicht primär der Gewichtsreduktion, sondern es umfasst neben der heilenden auch eine vorbeugende Seite, d. h. auch Gesunden wird Heilfasten empfohlen, z. B. als Möglichkeit der Selbsterfahrung.
Das klassische Heilfasten wurde von dem deutschen Arzt Dr. Otto Buchinger entwickelt, der sich mit dieser Methode selbst von einem starken Gelenkrheuma heilte. Neben Mineralwasser und Kräutertee, eventuell mit wenig Honig gesüßt, werden Gemüsebrühe, Fruchtsaft und etwas Zitronensaft getrunken.
Sehr schlanke Faster und Personen, die über einen längeren Zeitraum fasten, erhalten täglich einen Viertelliter Buttermilch oder fettarmen Joghurt. Sehr viel Wert wird auf fastenbegleitende Maßnahmen wie Bewegungs- und Entspannungsprogramme, regelmäßige Körper- und Darmpflege sowie einen geregelten Kostaufbau gelegt.
Die am weitesten verbreitete Fastenvariante für Gesunde ist das Gemüsebrühe-Saft-Fasten nach Buchinger. Es wird in verschiedenen Ratgebern so ausführlich beschrieben, dass es auch zu Hause durchgeführt werden kann.
Anwendungsgebiete
Vorbeugendes Fasten:
Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Stress, erhöhte Blutfette
Heilendes Fasten:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, psychosomatische Erschöpfungszustände, Hautkrankheiten
Abschnitte einer Heilfastenkur
Wer fasten will, sollte sich in erster Linie viel Zeit nehmen
Voraussetzung ist auch, einen gewissen Abstand vom Alltag zu haben. Deshalb gibt es auch die so genannten Fastenkliniken. Unterstützt wird eine Fastenkur durch viel Bewegung an der frischen Luft, Schwimmen, Massagen oder Saunabesuche.
Eine Heilfastenkur dauert ca. drei bis vier Wochen.
Sie umfasst folgende Schritte:
- Vorbereitungszeit: fünf bis zehn Tage vor dem ersten Fastentag sollte bereits begonnen werden, den Konsum von Zucker, Kaffee, Tee, Salz, Alkohol und Fleisch zu verringern
- Vor dem eigentlichen Fasten sollten ein bis zwei Entlastungstage (z. B. Obst- oder Reistage mit ca. 600 kcal) eingelegt werden
- Der erste Fastentag beginnt mit der Darmreinigung. Dazu wird Glaubersalz zum Abführen eingenommen. Danach sollte man sich drei bis vier Stunden in der Nähe der Toilette aufhalten. Wichtig dabei ist wieder, den Tag in Ruhe anzugehen
Beim eigentlichen Fasten sollten folgende Regeln beachtet werden:
- mindestens zwei Liter natriumarmes Mineralwasser trinken
- dazwischen darf täglich Kräutertee, Gemüse- oder Obstsaft getrunken werden
- viel Bewegung, Ruhe, Besinnung, Bäder, Massagen etc.
- über die Dauer der Fastenkur gibt es unterschiedliche Angaben. Zu Hause sollte eine Fastenkur nicht länger als sieben bis zehn Tage dauern. In Fastenkliniken dauert eine Kur ca. zwei bis drei Wochen.
Das Fastenbrechen
Aufnahme der ersten festen Nahrung
Unter dem Fastenbrechen versteht man die Aufnahme der ersten festen Nahrung nach einer Fastenkur.
Bevorzugt wird zum Fastenbrechen ein roher Apfel, der gut gekaut werden sollte. Am Abend kann nach Bedarf auch schon eine Suppe gegessen werden. Damit sich der Körper wieder langsam an feste Nahrung gewöhnt, sollte die Aufbauphase ca. 1/3 der Fastenzeit betragen.
Auf keinen Fall sollte zu schnell wieder auf „normale“ Ernährung umgestellt werden. Vielmehr kann diese Zeit für eine Ernährungsumstellung genutzt werden. Einige nehmen schnell wieder zu und erreichen oder übertreffen gar ihr vorheriges Gewicht, weil sie „Versäumtes“ nachholen.
Wer jetzt aber die Möglichkeit nutzt, wieder auf die Signale des Körpers zu hören und das Sättigungsgefühl zu spüren, kann seine Ernährung dauerhaft umstellen.
Pro und Contra
Wer lediglich schnell Gewicht verlieren will, sollte lieber die Finger vom Fasten lassen.
Wird es allerdings als ein Teil einer langfristig angelegten gesundheitsfördernden Maßnahme betrachtet, z. B. mit dem inneren Bedürfnis, eine neue Haltung zur Ernährung zu erlangen, ist das Heilfasten sehr wohl empfehlenswert.
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