Wer hat hier eigentlich was zu sagen?

Die Macht des limbischen Systems.

Was soll das sein, limbisches System? Das steckt auch in unserem Kopf? Ja, und zwar seit Urzeiten. Denn es steuert unsere Gefühle – und hat überall ein Wörtchen mitzureden.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen im Wald auf einen Bären. Was passiert? Der Schreck fährt in alle Glieder, das Herz rast, Schweiß tritt auf die Stirn. Dies alles geschieht rasend schnell, noch bevor uns richtig bewusst wird, dass wir Angst haben – in Millisekunden. Der Körper bereitet sich auf die Flucht oder einen Kampf vor. Dafür ist das limbische System verantwortlich, eine winzige Region in der Mitte Ihres Schädels.

Danach geht der Spaß in der Hirnrinde weiter. Das System dort ist langsamer und verarbeitet die Bärenbegegnung detaillierter. Wir nehmen nun den Bären bewusst wahr und das Gehirn vergleicht die Situation mit früheren Erlebnissen. In einer anderen Gehirnregion werden die emotionalen Reize des limbischen Systems in bewusste Gefühle umgewandelt. An gleicher Stelle werden die Emotionen in ein Gesamtbild gesetzt und Schlüsse für die beste Handlung gezogen. Und wir entscheiden: Ein Rückzug aus dem Wald ist eine ziemlich gute Idee!

Das limbische System ist also umfassend mit anderen Hirnstrukturen vernetzt und durch diese beeinflusst. Es kocht also nicht allein sein Süppchen.

Was hat sich die Natur nur dabei gedacht?

Mit dem limbischen System will uns die Natur das Leben retten – wir sind gerade eben mit dessen Hilfe dem Bären entkommen. Kein Wunder also, dass es das limbische System mit seinen Emotionen entwicklungsgeschichtlich schon so lange gibt. Sie sind – Achtung, jetzt wird es wissenschaftlich – Bindeglied zwischen Wahrnehmung und einer darauf abgestimmten Handlung. Noch ein Beispiel: Sie stehen auf der Straße und ein Auto rast auf sie zu. Hätten wir nur eine analytische Betrachtungsweise der Situation parat, würden wir jetzt die Zeit bis zum Aufprall schätzen. Erst das starke Gefühl der Todesangst motiviert uns, die Straße fluchtartig zu verlassen.

Es liegt also in der Natur der Sache, dass das limbische System ganz schön vorwitzig ist. Es mischt sich gerne in alles ein und spielt überall mit. Zumal es auch für unsere Stimmungen, Affekte, Bestrebungen und Triebe zuständig ist. 

Fakten und Feeling

Wir Menschen fühlen immer etwas, zum Beispiel in Gesprächen mit unseren Mitmenschen. Rein sachlich ohne jegliche Emotion einen Dialog zu führen, funktioniert nicht. Das merken wir in privaten Diskussionen, aber auch täglich am Arbeitsplatz. Es ist ein ständiges Abwägen zwischen Gefühl und Vernunft. Die tief verankerten Gefühle stehen in ständiger Wechselwirkung zum bewussten, rationalen Denken und Handeln.

Die 7 „automatischen“ Emotionen

Es gibt sieben Emotionen, die angeboren und im limbischen System verankert sind. Dazu gehören:

  • Freude
  • Überraschung
  • Wut
  • Angst
  • Trauer
  • Ekel
  • Verachtung

Warum so viele negative? Sie mögen sich nicht gut anfühlen, aber sie sind überlebenswichtig. Die Wut gibt uns Kraft und Energie, die Überraschung macht uns aufmerksam. Und die Angst lässt uns bei Gefahr vorsichtig sein. Tatsächlich ist die Angst ein starkes biologisches Überlebensmuster. Ohne sie hätte die Menschheit wohl nicht lange überlebt. Darum fürchten wir uns auch nachts im dunklen Wald – heute genauso wie vor vielen tausend Jahren. Denn wir wissen nicht, was hinter dem nächsten Baum lauert. Es könnte ja unser Bär vom Anfang sein. Daher sind wir äußerst angespannt. Eine gute Idee, die die Natur da hatte.

Mit Hilfe unseres limbischen Systems haben wir bis heute überlebt. Da ist es schon ganz in Ordnung, dass es uns auch die nächsten tausend Jahre auf Zack hält.