Spezielle Kinderlebensmittel.

Was Sie versprechen – was Sie halten.

Eine Vielzahl von Lebensmitteln werden speziell für Kinder ab einem Jahr angeboten – ihre gesundheitlichen Qualitäten sind jedoch kritisch zu sehen.

Sie machen auf sich aufmerksam durch peppige Verpackungen, coole Sprüche oder lustige Comicfiguren. Zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe sollen dann auch die Eltern von ihren Qualitäten überzeugen.

Seit einigen Jahren überschwemmen sie als sogenannte „Kinderlebensmittel“ die Märkte und werden als speziell für Kinder geeignet angepriesen. Mit einer gesunden Ernährung haben diese Produkte jedoch nicht viel gemein. Groß ist die Palette und fast keine Lebensmittelsparte ist ausgelassen.

Die am meisten beworbenen Kinderlebensmittel sind Süßigkeiten wie

  • Vitaminbonbons,
  • Milchschnitten und
  • Schokoriegel,

gefolgt von

  • Milchprodukten
    (Milchmischgetränke, Fruchtjoghurt, Frischkäse- und Quarkzubereitungen),
  • Frühstückssnacks
    (Cerealien, Knusperflocken verschiedener Art),
  • Brotaufstrich
    (Nuss-Nougat-Cremes, Schokoladencremes, Wurst),
  • Convenience-Produkten
    (Fertiggerichte wie Nudelsuppen, -gerichte, Pizza) und
  • Getränken
    (Calciumangereicherte Säfte, Multivitaminsäfte, Limonaden)

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Was steckt wirklich drin

Zutatenliste checken!

Eines haben sie fast alle gemeinsam. Auf den Verpackungen wird mit lebenswichtigen Nährstoffen geworben.

Was die Lebensmittelindustrie jedoch verschweigt, ist, dass durch den Verzehr dieser Produkte in den meisten Fällen zu viel Fett, reichlich Zucker und von einigen Vitaminen weit mehr als eigentlich nötig aufgenommen werden. Schnell ist es nämlich passiert, dass nicht nur ein Kinderlebensmittel auf dem Speiseplan der Kinder steht.

Das fängt oft schon morgens mit einem Schokotrunk und süßen Frühstückscerealien an. Nimmt dann seinen Lauf mit Milchriegel, Brot mit Nuß-Nougat Creme oder dem Kinderjoghurt. Dazwischen fehlt es oft auch nicht an vitaminreichen Bonbons oder angereicherten Säften und Limonaden.

Schnell kommt so täglich eine bunte Sammlung an Produkten zusammen, die Ernährungsfachleuten Sorge bereitet.

Häufig überdosiert

Cocktail aus künstlich zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen

Diese Sorge stützt sich darauf, dass durch oben genanntes Szenario, über den Tag verteilt ein regelrechter Cocktail aus künstlich zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen zusammen kommt. Einige Vitamine und Mineralstoffe sind nämlich gar nicht so ungefährlich, wir man vielleicht annimmt. Ein einzelnes angereichertes Lebensmittel ist meist unproblematisch. Die Masse ist entscheidend.

Überdosiert können bestimmte Vitamine, insbesondere die Fettlöslichen, Leber, Nieren und Knochen schädigen. Fettlösliche Vitamine sind Vitamin A, D, E und K.

Überversorgung stellt gesundheitliche Gefahr dar

Bekannt ist auch, dass viele Kinder schon Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Kommt es zu einer Überschreitung von angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln ist eine Überversorgung und damit eine gesundheitliche Gefahr nicht auszuschließen.

Welche Nährstoffe ergänzt werden, liegt ganz in den Händen der Hersteller. Am häufigsten finden sich die Vitamine der B-Gruppe in den Lebensmitteln für Kinder. Mineralstoffe werden vergleichsweise selten angereichert. Relativ häufig taucht lediglich Calcium auf, das  in der Kinderernährung durchaus eine bedeutende Rolle spielt.

An der Auswahl der verwendeten Vitamine lässt sich kein spezielles Konzept erkennen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Produkte nach dem Gießkannenprinzip recht wahllos mit Nährstoffen angereichert werden.

Nährstoffangaben auf Verpackungen nicht immer korrekt

Nach der Verordnung über vitaminisierte Lebensmittel sind alle Vitamine als Zusatzstoffe für Lebensmittel erlaubt. Für die eingesetzten Mengen gibt es nach oben keine Grenzen. Lediglich die Vitamine A und D dürfen nur bestimmten Produkten in genau definierten Mengen zugesetzt werden, da eine Überversorgung toxisch ist.

So ermittelte Stiftung Warentest beispielsweise, dass nur die wenigsten Kinderlebensmittel die Nährstoffmengen enthalten, die von den Herstellern angegeben sind.

Die Tester fanden bei Frühstückscerealien für Kinder teilweise 300 Prozent höhere Vitaminmengen, als auf der Verpackung ausgewiesen. Am häufigsten überschritten die Milchmischgetränke die angegebenen Vitaminwerte.

Auch wenn die durchschnittliche Zufuhr von B-Vitaminen und Calcium bei Kindern nicht immer ausreichend ist, macht diese keine willkürliche Anreicherung von Lebensmitteln erforderlich.

Defizite besser mit ausgewogener Ernährung ausgleichen

Defizite in der Versorgung einzelner Vitamine und Mineralstoffe können durch eine bewusste Lebensmittelauswahl behoben werden: ein Glas Milch oder ein Becher Joghurt enthalten beispielsweise dreimal mehr Calcium als eine Milchschnitte.

Die Zufuhr der meisten B-Vitamine ist dann optimal, wenn täglich Vollkornbrot, Vollkornnudeln oder Müsli auf den Tisch kommen.

Eigentlich eine Süßigkeit

Meist zu hoher Energie-, Fett- und Zuckergehalt

Kritisch zu beurteilen, sind hier die hohen Energie-, Fett- und Zuckergehalte, die meist erst nach intensivem Studium der Zutatenliste bewusst werden. Dies ist in Anbetracht von stetig steigendem Übergewicht bei Kindern und Jugendliche ebenfalls ein wichtiger Aspekt.

Zudem gehört auf Grund des hohen Zuckergehaltes der größte Teil dieser Produkte sowieso zu den Lebensmitten, die im Zuge einer gesunden Ernährung nur gelegentlich den Speiseplan „zieren“ sollten. Auch die Gefahr einer Kariesentstehung gerät bei ihrem Kauf allzu schnell in Vergessenheit.

Eine Ansiedlung dieser Produkte im Bereich von Süßigkeiten ist auf Grund dieser Tatsachen geboten. Die fehlende Qualität wurde auch in verschiedenen Tests bestätigt: Stiftung Warentest 2004, Ökotest 2002, Arbeitskammer Wien 2004 beurteilten die meisten Produkte als „eingeschränkt geeignet“.

Auf Natürliches setzen

Kinder brauchen keine Speziallebensmittel

Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Kinder können und sollen ab dem Alter von einem Jahr am Familienessen teilnehmen.

Sie brauchen keine Speziallebensmittel, um sich gesund und mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen zu ernähren. Dies bedarf in Deutschland keiner großen Anstrengung. Der beste Weg ist der Konsum von Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse sowie ein fettarmes Kochen.

Eltern sind Vorbild

Die Essgewohnheiten der Sprösslinge sind aber nur so gut wie die eigenen. Daher nützt es nicht den Zeigefinger zu erheben, sondern man muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Sehr hilfreich kann dabei sein, wenn der Speiseplan gemeinsam besprochen wird. Auch das Einbinden in die Speisenzubereitung kann zu einer positiven Esskultur verhelfen. Beispielsweise kann als Knabberware auch ein Teller mit klein geschnittenem Obst und Gemüse ins Kinderzimmer gestellt werden.

Fazit – kein generelles Verbot

Kinderlebensmittel, sind nicht notwendig

Kinderlebensmittel, sind nicht notwendig, aber auf Grund der Allgegenwart auch nicht gänzlich zu vermeiden.

Fest steht: Sie leisten keinen Beitrag zu einer gesünderen Kinderernährung, sondern erschweren sie sogar teilweise. Sie können deshalb im Rahmen einer sonst ausgewogenen Ernährung, in wohl abgestimmter Dosierung, nur geduldet werden.

Ein gänzliches Verbot ist nicht sinnvoll, da diese Produkte dann umso erstrebenswerter erscheinen.

Unter diesen Produktgruppen gibt es außerdem noch qualitative Abstufungen. Bei einer Entscheidungsfindung können Testergebnisse hilfreich sein, aber auch das genaue und kritische Studium der Zutatenliste und der Nährwertinformationen kann helfen.