Die Laktose-Intoleranz.

Häufige Verdauungsprobleme könnten ein Zeichen sein.

Blähungen und Durchfall, Bauchweh und Verstopfung - wer häufig mit Verdauungsproblemen kämpft, sollte überprüfen, ob bei ihm nicht unter Umständen eine Laktose-Intoleranz vorliegt.

Immerhin verlieren 20 bis 25% der Mitteleuropäer mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen. Erwachsenen Afrikanern und Afroamerikanern so wie Asiaten fehlt diese Fähigkeit sogar völlig.

Milchzucker ist ein Bestandteil der Muttermilch von fast allen Säugetieren. Bis auf ganz seltene Ausnahmen können alle Babies den Milchzucker der Muttermilch verarbeiten. Mit zunehmendem Alter kann diese Fähigkeit völlig verloren gehen.

Milchzucker verdauen nur mit „Laktase“

Milchzucker ist ein sogenanntes „Di-Saccharid“, ein Zuckerpärchen, bestehend aus Glucose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Um den Milchzucker verdauen zu können, benötigen wir das Enzym „Laktase“, das die Verbindung der beiden Moleküle trennt und damit die Verwertung der Einzelbausteine durch den Körper ermöglicht.

Fehlt die Laktase, wandert der Milchzucker ungespalten weiter in den Darm und wird hier von Bakterien unter Bildung von Gasen vergoren. Zudem drängt meist auch noch Körperwasser in den Darm.

Daraus ergeben sich die beiden Hauptsymptome einer Laktose-Intoleranz: die Blähungen, die sich bis zu Koliken ausdehnen können, begleitet von Durchfall. Doch auch Müdigkeit und Schlafstörungen, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit können die Folge der Verdauungsstörung sein.

Wie kommt es zum Fehlen von Laktase?

Eigentlich brauchen nur Babies Laktase. Zwar fehlt sie in ganz seltenen Fällen auch da, stellt dann aber eine schwerwiegende Erkrankung dar.

Normalerweise aber haben die Babies Laktase in ausreichender Menge. Immerhin hat die Muttermilch 7% Milchzucker und der muss verwertet werden. Und obwohl wir ab einem gewissen Alter ohne Muttermilch durchs Leben gehen, bleibt uns Westeuropäern die Laktase erhalten. Das verdanken wir einer kleinen Gen-Mutation, die für eine Bevölkerung, die traditionell Ackerbau- und Viehzucht betrieb, wichtig und nützlich war.

Dennoch verliert ein Viertel der Westeuropäer mit zunehmendem Alter ganz oder teilweise die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen. Manchen „erwischt“ es erst Mitte 40 … auch ein Grund, warum man oft so spät auf den Auslöser der vielfältigen Beschwerden kommt.

Diagnose „Laktose-Intoleranz“- Ernährung umstellen notwendig

Im ersten Moment sind die meisten Betroffenen natürlich betroffen. Kein Milchzucker mehr heißt: Keine Milchprodukte mehr. Damit auch keinen Käse, kein Jogurt, keine Sahne. Da an der Intoleranz selbst nicht zu rütteln ist, hilft nur eines: sich damit abzufinden und seine Ernährung umzustellen.

Mit entsprechender Bereitschaft und dem Engagement sich zu informieren, ist das keine Problem. Unter Umständen ist die Intoleranz auch nicht so stark ausgeprägt, so dass bestimmte Käsearten durchaus vertragen werden. Das muss man als Betroffener einfach selbst austesten.

Laktose in Fertigprodukten

Außer in Milchprodukten findet sich Laktose leider auch in vielen fertigen Produkten. In Süßwaren, vor allem in Schokoriegeln, aber auch in vielen Backwaren, Wurstwaren und in Fertigprodukten kann Milchzucker verarbeitet worden sein.

Hier hilft nur, sich wirklich jede Verpackung genau anzusehen und das Zutatenverzeichnis zu studieren – egal wie winzig dieses auf der Verpackung abgedruckt ist.

Suchen Sie nach Bezeichnungen wie

  • Milch
  • Molke
  • Molkepulver
  • Molkenerzeugnis
  • Magermilchpulver
  • Vollmilchpulver

Ist einer dieser Zusätze enthalten, lassen Sie besser die Finger weg vom jeweiligen Produkt.

Offen verkaufte Produkte

Bei offen verkauften Lebensmitteln wie Wurstwaren oder Brot und Backwaren müssen die Zutaten nicht deklariert werden. Rückfragen sind also auch beim Bäcker sinnvoll – und das durchaus auch im Brot, nicht nur bei „Käsekuchen“ und „Joghurttorte“.

Warum wird Laktose zugesetzt?

Oft werden laktosehaltige Zutaten verwendet, um Industrieprodukte einfacher „aufzuhübschen“ … oder maschinell leichter verarbeiten zu können. Folgende positive Effekte können durch die Zugabe von Molke oder Milchpulver bei Industrieprodukten auftreten:

  • besseres Aussehen z.B. von TK- Produkten
  • cremiger Geschmack
  • angenehmes Kaugefühl
  • als Träger von Aromen und Geschmacksverstärkern
  • Bindung von Wasser
  • Emulgation, also z.B. das Mischen von Öl und Wasser
  • Mehr Volumen und Gewicht bei nahezu gleicher Kalorienmenge (interessant für „Diät-Produkte“)
  • Beschleunigung von Gärungsprozessen
  • Bräunende Wirkung bei Backprozessen
  • Zur Stabilisation von Eiweiss
  • Zur verbesserten Kristallisation von Zuckerlösungen.

Die Liste zeigt, wie vielfältig auch die Verwendung sein kann. Hinzu kommt die Funktion als Trägerstoff für den oder die Wirkstoffe bei Medikamenten. Dieser Punkt wird oft übersehen …

Einfache Maßnahmen bei Laktose-Intoleranz

Neben der Vermeidung von Milch und Milchprodukten ist ein genaues Studieren der Etiketten auf Lebensmitteln unerlässlich. Wem das zu nervig ist, der sollte konsequent auf Fertigprodukte verzichten und stattdessen selbst kochen. Das ist für viele Betroffene wirklich die einfachste Maßnahme.

Hat sich die Lage im Darm dann soweit beruhigt, kann vorsichtig damit begonnen werden, Alternativen auszuprobieren.

Laktose-freie Produkte

Soja-Produkte oder laktosefreie Lebensmittel?

Eine weitere Option besteht in der Verwendung von Soja-Produkten oder Lebensmitteln, denen die Laktose entzogen wurde. Die Auswahl an solcher „Milch“, an Jogurts und Puddingsorten wächst ständig und mittlerweile bieten diese Hersteller auch recht ordentliche Käsesorten an.

Vor einem unkritischen Schwenk auf Soja-Produkte sei an dieser Stelle aber gewarnt. Soja gehört zu einem der starken Allergene und die Anzahl derer, die auf Soja allergisch reagieren, ist mit 0,4% an der Gesamtbevölkerung noch nicht dramatisch, aber mit steigender Verwendung von Soja in allen Bereichen der Lebensmittelindustrie wird auch die Anzahl der Soja-Allergiker wachsen.

Sollten Sie bereits unter einer Blütenpollen-Allergie von Birke und Beifuss leiden oder auf Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Mais und Weizen allergisch reagiert, ist es unabdingbar, sich vorab testen zu lassen.

Käse ohne Laktose - Sauermilchkäse

Für diejenigen, die morgens gerne herzhaft frühstücken, dabei aber nicht immer nur Schinken und Aufschnitt essen möchten, gibt es noch die große Familie der „Sauermilchkäse“, zu denen auch die „Korbkäse“ oder der „Harzer Käse“ gehören.

Sie sind komplett frei von Laktose – und werden von fast allen Betroffenen gut vertragen. Ein weiterer Vorteil der Sauermilchkäse ist der hohe Eiweißgehalt bei gleichzeitig minimalem Fettanteil. Sauermilchkäse ist ein echter „Fitmacher“ – und seit es auch ausgesprochen milde Varianten davon gibt - einige davon sogar mit Edelschimmel – lohnt sich ein das Ausprobieren.

Die folgenden Käsesorten haben alle weniger als 1g Laktose pro 100g:

  • Emmentaler
  • Bergkäse
  • Parmesan
  • Edamer
  • Gouda
  • Brie und Camembert
  • Schafskäse

Mozzarella und noch eine ganze Reihe anderer Weich- und Hartkäse … Sie werden nicht von allen Betroffenen vertragen, aber vielleicht gehören Sie ja zu den Glücklichen, denen der Genuss nichts ausmacht. Wichtig ist, dass man einfach den Mut hat, jeden Käse einzeln auszuprobieren.

Änderung der Kochgewohnheiten

Sobald Sie Alternativen zum Frühstück gefunden haben, ist das Schlimmste geschafft.

Bei allen anderen Gerichten ist die Umstellung verhältnismäßig einfach und meist auch gesünder, denn sowohl Käse als auch Sahne liefern unverhältnismäßig viele Kalorien. Wer darauf verzichtet tut auf jeden Fall etwas für seine Energiebilanz.

Klassische Hausmannskost so wie asiatische, indische und afrikanische Köstlichkeiten stehen Ihnen nahezu unbegrenzt offen und auch die mediterrane Küche stellt kaum ein Problem dar.


So testen Sie ob Sie betroffen sind

Falls Sie häufig unter Blähungen und Durchfall leiden und eine Laktose-Intoleranz nicht ausschließen können, sollten Sie unbedingt testen, ob eine Laktose-Intoleranz vorliegt. Denn ständige Durchfälle schädigen den Darm und können Sie insgesamt Infekt-anfällig machen. Auch bei einem diagnostizierten „Reizdarm“ ist es sinnvoll, sich auf Laktase zu testen.

Machen Sie einfach folgenden Test:

  • Verwenden Sie eine Woche weder Milch noch Milchprodukte. Verschwinden die Beschwerden, ist das ein erstes Indiz.
  • Trinken Sie dann Milch, essen Sie Jogurt und Weichkäse
  • Wenn die Beschwerden zurück kommen, können Sie sich selbst umstellen, oder zur vollständigen Absicherung noch einen Arzt aufsuchen. Ihm stehen weitere Methoden zur Bestimmung einer Laktose-Intoleranz zur Verfügung, die aber allesamt nicht weh tun.

Abschließend kann man sagen, dass die Diagnose einer Laktose-Intoleranz kein Drama bedeutet. Einen gewissen Verzicht und Aufmerksamkeit schon, aber kein Drama. Betroffene stellen sich schnell auf diesen neuen Umstand ein – belohnt mit neuem Wohlbefinden.