Wir legen Wert auf Sicherheit. Deswegen wird die Unterstützung für den Internet Explorer nicht mehr durch unsere Website bereitgestellt. Bitte verwenden Sie einen anderen Browser, zum Beispiel Google Chrome, Firefox oder Edge
Telefon: 07141 9790-0
, E-Mail: info@mhplus.de

Von Vererbung und Prägung Bin ich vorprogrammiert?

Der DNA-Strang ist der Bauplan des Lebens. Er macht uns zu dem, was wir sind. Die Epigenetik fand heraus, welchen Einfluss die Umwelt auf die Erbinformationen hat.

Blonde Zwillingsmädchen stehen auf einer Wiese. Die Köpfe haben sie zusammen gelegt. Sie lachen glücklich und zufrieden.

Sie gelten als die Gegenpole der Evolutionstheorien: die von Jean-Baptiste de Lamarck aus Frankreich und die von Charles Darwin aus England. Im 19. Jahrhundert veröffentlichten sie ihre Erkenntnisse zur Entwicklung der Arten. In Schulbüchern werden die Unterschiede gern mit Giraffen erklärt: Lamarck nahm an, dass Giraffen so lange Hälse haben, weil sie sich streckten, um an Nahrung in Bäumen zu gelangen. Die Folge: Der längere Hals wurde an die nächste Generation vererbt. Ganz anders Darwin. Er ging davon aus, dass es in der Giraffenpopulation einige Tiere gab, die zufallsbedingt längere Hälse hatten. Diese Giraffen hätten gegenüber anderen einen Vorteil bei der Nahrungssuche gehabt. Vor allem waren sie überlebensfähiger. Damit wurden ihre Gene weiter gegeben. So hat sich Darwins Therorie von „Survival of the Fittest“ durchgesetzt.

Können Gene beeinflusst werden?

Der Begriff „Epigenetik“ besteht aus den Wörtern „Genetik“ und „Epi“. Übersetzt in etwa „darüber“ oder „obendrauf“. Sie untersucht, ob und wie stark Umwelteinflüsse und Lebensbedingungen die Gene steuern können. Die Zwillingsforschung spielt dabei eine große Rolle. So lässt sich immer wieder feststellen, dass bei eineiigen Zwillingen trotz gleicher DNA nur bei einem Zwilling eine erblich bedingte Krankheit ausbricht. Der andere bleibt gesund. Die Epigenetik geht davon aus, dass die Gene an- und ausschalten lassen. Welchen Status sie jeweils haben, ist also nicht festgelegt. Und das Beste: Lebewesen können selbst Einfluss nehmen.

Doch wie wird ein Gen überhaupt umgeschaltet? Eine Funktionsweise ist die Methylierung. Dabei docken Moleküle – in diesem Fall Methylgruppen – an den DNS-Strang an. Sie verhindern, dass die nachfolgende Gensequenz abgelesen werden. Das Gen wird ausgeschaltet.

Der epigenetische Mechanismus hinter Diabetes und Übergewicht

Menschen, bei denen ein Elternteil an Typ-2-Diabetes erkrankt, haben genetisch bedingt ein 50-prozentiges Risiko, auch daran zu erkranken. Das weiß die Wissenschaft schon seit Längerem. Gleiches bei einer Neigung zu Übergeweicht. Dazu kommen die epigenetische Prozesse.

Ein Beispiel aus der Geschichte: Der Hungerwinter 1944/45

Sechs Monate lang lag damals in den Niederlanden die täglich verfügbare Essensmenge bei nur etwa 400 bis 800 Kilokalorien pro Kopf. Kinder wurden nicht nur mit Untergewicht geboren. Sie bekamen überdurchschnittlich oft und früh in ihrem Leben Typ-2-Diabetes, Herz- Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Die Wissenschaftler vermuten: Die Hunger-Erfahrung der Mütter in der Schwangerschaft haben einen Effekt auf die Kinder. Auch Asthma und COPD scheinen teils durch epigenetische Mechanismen ausgelöst zu werden. Dieses Wissen kann in der Prävention genutzt werden.

Krebs-Gene abschalten?

Lange nahm die Wissenschaft an, dass Krebszellen allein durch die schadhafte Veränderung der DANN entstehen. Inzwischen sind sie sicher, dass auch epigenetische Prozesse verantwortlich sind. Es gibt Gene auf dem DNA-Strang, die Krebs fördern und dank der epigenetischen Genregulation eigentlich „ausgeschaltet“ sind. Daneben gibt es Gene, die die Entstehung von Krebs blocken. Sie sind normalerweise „angeschaltet“. Diese Genregulation kann im Laufe des Lebens gestört werden. Das „Krebs-Gen“ wird aktiviert, das Blocker-Gen deaktiviert. Aus einer Zelle wird eine Krebszelle. Und diese fehlprogrammierte Zelle teilt sich. So entsteht ein Tumor.

Wie wäre es also dank epigenetischer Prozesse Krebszellen schon bei ihrer Entstehung zu erkennen? Oder diese Gene mit Medikamenten wieder „auszuschalten“? Gleichzeitig die Stopper-Gene wieder „einzuschalten“? Die Wissenschaft arbeitet daran. Präventions- und Behandlungsmaßnahmen könnten entstehen, die bei Krebs und anderen chronischen Krankheiten helfen.

Bis es so weit ist, werfen wir einen Blick auf das, was wir wissen: Ein Bewusstsein für die Krankengeschichte der Eltern und Großeltern ist wichtig für gezielte Prävention und Früherkennung. Ein gesunder Lebensstil vermindert die Risikofaktoren für viele Erkrankungen und wirkt sich unter Umständen auch direkt auf die Gene aus.

 

Zum Seitenanfang springen