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Aus Fehlern wird man klug Souverän mit den eigenen Fehlern umgehen

Das stimmt – und dennoch ist es gar nicht so leicht, die eigenen Schwächen zu akzeptieren. Wie es gelingen kann, gelassen zu reagieren, und warum Fehler zu einem erfüllten Leben gehören.

Das kann vorkommen

Der Geburtstag einer Freundin, der einem schon zum zweiten Mal in Folge durchgegangen ist. Die kränkende Bemerkung, die man im Eifer eines Streits der Partnerin oder dem Partner an den Kopf geworfen hat. Die Präsentation im Büro, die noch ein paar Flüchtigkeitsfehler enthielt. Oder der Vortrag, bei dem man ins Stammeln geraten ist und der hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Wir alle machen Fehler – das ist menschlich. Und dennoch fällt es den meisten Menschen schwer, Fehler zuzugeben.

Fehlerkultur

Kein Wunder, schon in der Schule lernen wir, dass Fehler mit dem Rotstift geahndet werden. „Wir haben keine gute Fehlerkultur in Deutschland“, bestätigt Dr. Wolfgang Krüger, Diplom-Psychologe und Autor aus Berlin („Selbstachtung“, Norderstedt 2023). Dahinter steckt vor allem überzogener Perfektionismus: „Wir haben fast alle den Anspruch, perfekt zu sein. Denn wir sind so erzogen worden, dass wir Fehler als negativ ansehen. Dadurch praktizieren wir eine Kultur der Fehlervermeidung, die uns lähmt.“

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Fehler eingestehen Zwei Drittel verschweigen ihre Fehler lieber

Meist ärgern wir uns, wenn wir bei uns selbst einen Fehler entdecken. Oder wir fühlen uns schlecht, wenn andere Menschen uns auf einen Makel hinweisen, denn damit sind Gefühle wie Scham und Angst verbunden. Das führt dazu, dass viele sich zu rechtfertigen beginnen, in Ausreden flüchten oder einen Gegenangriff starten, der bekanntlich die beste Verteidigung ist. Es braucht Mut, sich selbst und anderen Menschen einzugestehen, dass man wirklich einen Fehler gemacht hat. Wie schwer das ist, zeigt die Studie „Fehlerkultur Report 2023“ der Unternehmensberatung EY, nach der 64 Prozent der Führungskräfte eigene Fehler in den vergangenen zwei Jahren ganz oder teilweise unter den Teppich ihrer Firma gekehrt haben. Ihre Angestellten würden sich ein anderes Verhalten wünsche: 63 Prozent halten es für wichtig, Fehler zuzugeben.

Die eigene Selbstachtung stärken

Doch wie kann es gelingen, souveräner mit den eigenen Fehlern umzugehen? „Sobald wir kritisiert werden, befinden wir uns in einer Art Ausnahmezustand“, sagt Dr. Wolfgang Krüger. Deshalb rät der Psychologe als eine Art Erste-Hilfe-Maßnahme dazu, sich einige Worte zurechtzulegen, zum Beispiel so: „Dankeschön für die Rückmeldung, ich werde in Ruhe darüber nachdenken.“ So gewinnt man Zeit und kann das eigene Verhalten auf den Prüfstand stellen. Wer aber langfristig gelassener mit sich umgehen möchte, stärkt am besten seine Selbstachtung. Denn: Ein Fehler ist immer auch ein Angriff auf das eigene Ego. Menschen mit einem guten Selbstwert lassen sich davon nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Aus Sicht des Psychologen kann es zur Stärkung der Selbstachtung beitragen, jeden Abend drei bis fünf Dinge zu notieren, die einem selbst gut gelungen sind. Oder den Freundeskreis zu bitten, fünf positive Eigenschaften aufzuschreiben.

Zwei lachende Frauen in der Natur. Sie sind sommerlich gekleidet.

Irren menschlich Fehler sind der Preis für ein erfülltes Leben

Ebenso hilft es aber auch, sich klarzumachen, dass Irren menschlich ist und Fehler zum Leben gehören. Oder wie es die Schauspielerin Sophie Loren formuliert hat: „Fehler gehören zu den Verpflichtungen, mit denen man für ein vollwertiges Leben bezahlt.“ Mehr noch: Aus Irrtümern und Missgeschicken lässt sich eine Menge lernen – menschlich wie fachlich. Sie bringen uns voran, wenn wir bereit sind, es beim nächsten Mal besser zu machen. Fehler können auch der Ausgangspunkt für Innovationen sein. Hätte Mediziner Alexander Fleming nicht die Laborprobe in London vergessen, als er in die Sommerferien fuhr, wäre vielleicht der lebensrettende Wirkstoff Penicillin nicht entdeckt worden. Auch Unternehmen wissen es zu schätzen, dass Fehler klug machen: So berichten Gründerinnen und Gründer in „Fuckup Nights“ von ihren Erfahrungen des Scheiterns, und Führungskräfte in manchen Unternehmen teilen Irrtümer wie Lernerfahrungen daraus als Teil ihres Fehlermanagements.

 

Sorry – was eine gute Entschuldigung auszeichnet

Auch mit einer solch positiven Einstellung zu Fehlern kann es allerdings notwendig werden, sich für ein Missgeschick oder eine Verletzung bei einem anderen Menschen zu entschuldigen. Das ist mindestens so schwer, wie sich einen Fehler einzugestehen. „Sorry seems to be the hardest word“ („Entschuldigung scheint das schwierigste Wort zu sein“) hat schon Elton John gesungen. Doch nur wenn wir aufrichtig um Verzeihung bitten, lässt sich die Schuld aus der Welt schaffen. „Dazu gehört, dass wir zuhören, was mein Fehlverhalten mit dem anderen gemacht hat, und analysieren, wie uns das passieren konnte“, rät Dr. Wolfgang Krüger. Daran schließen sich eine Entschuldigung, die formell ausgesprochen wird, und das Angebot einer Wiedergutmachung an. Wer beispielsweise seine Partnerin oder seinen Partner verletzt hat, kann seine Wertschätzung in der nächsten Zeit vermehrt durch kleine Aufmerksamkeiten zeigen.

Zum Verzeihen gehören allerdings immer zwei: Der andere nimmt die Entschuldigung an und darf nicht nachtragend sein. Diese Art von Vergebung ist ausgesprochen gesund: Wie eine Langzeit-Studie der Harvard-Universität zeigte, geht Verzeihen mit einer besseren psychischen Gesundheit und mehr Lebenszufriedenheit einher.

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