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Blutröhrchen mit Toxoplamose beschriftet.
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Was werdende Mütter wissen müssen Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, das Wissen über sie hat für Schwangere eine besondere Bedeutung. Eine Erstinfektion während der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind gefährden. Doch welche Risiken bestehen tatsächlich und wie können sich werdende Mütter wirksam schützen?

Toxoplasmose Schwangerschaft: Das Wichtigste in Kürze 

  • Etwa 50 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sind bereits immun – nur eine Erstinfektion während der Schwangerschaft gefährdet das ungeborene Kind.
  • Im ersten Trimester liegt die Übertragungsrate bei nur 15 Prozent, mögliche Schäden sind jedoch am schwersten (Gehirnfehlbildungen, Augenschäden). Im dritten Trimester steigt die Übertragung auf bis zu 60 Prozent, Folgen fallen meist milder aus.
  • Die häufigste Ansteckungsquelle ist rohes oder unzureichend gegartes Fleisch – besonders Schwein, Lamm und Rohwurstwaren wie Salami oder Mett sollten komplett gemieden werden.
  • 80 bis 90 Prozent aller Infektionen verlaufen symptomfrei oder mit unspezifischen grippeähnlichen Beschwerden, weshalb nur ein Bluttest Gewissheit schafft.
  • Katzenkot kann den Erreger beinhalten. Katzen müssen jedoch nicht abgegeben werden: Die Katzentoilette sollte täglich mit Handschuhen gereinigt werden. Schwangere sollten die Katzentoilette nicht reinigen. Das Streicheln des Fells ist unbedenklich. 
  • Fleisch auf mindestens 70 °C durchgaren, Obst und Gemüse gründlich waschen

Was ist Toxoplasmose?

Toxoplasmose ist eine durch einen einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii ausgelöste Infektionskrankheit. Der Erreger kommt weltweit vor und befällt sowohl warmblütige Tiere als auch Menschen. Katzen spielen als Hauptwirte eine zentrale Rolle im Lebenszyklus des Parasiten, da er sich nur in ihrem Darm geschlechtlich vermehren kann.

In Deutschland haben etwa 50 Prozent aller Erwachsenen bereits eine Toxoplasmose-Infektion durchgemacht, ohne es zu bemerken. Das Immunsystem gesunder Erwachsener bekämpft den Erreger Toxoplasma gondii in der Regel problemlos, sodass die Infektion ohne oder mit nur milden, grippeähnlichen Symptomen verläuft. Nach einer durchgemachten Infektion bleiben lebenslang Antikörper im Blut nachweisbar, die vor einer erneuten Ansteckung schützen. Diese bestehende Immunität bedeutet, dass eine bereits vor der Schwangerschaft erfolgte Infektion kein Risiko für das ungeborene Kind darstellt.

Anders verhält es sich bei einer Erstinfektion während der Schwangerschaft. Hier fehlt der mütterliche Immunschutz, sodass der Parasit über die Plazenta auf das Baby übertragen werden kann. Entscheidend ist also, dass nur Schwangere ohne vorherigen Kontakt mit dem Erreger besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten müssen.

Übertragungswege: Wie können sich Schwangere anstecken?

Die Übertragung von Toxoplasma gondii auf den Menschen erfolgt auf verschiedenen Wegen. Besonders relevant für Schwangere sind:

Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch

Dieser Übertragungsweg gilt als häufigste Infektionsquelle in Deutschland. Besonders riskant sind:

  • Rohes Schweine-, Lamm- oder Ziegenfleisch
  • Tatar, Carpaccio oder Mett
  • Rohe Wurstwaren wie Salami oder Mettwurst
  • Unvollständig durchgegartes Fleisch

Kontakt mit Katzenkot

Infizierte Katzen scheiden den Parasiten mit dem Kot aus. Die Erreger werden erst nach ein bis fünf Tagen im ausgeschiedenen Kot infektiös. Hauptansteckungsquellen sind:

  • Reinigung der Katzentoilette ohne Handschuhe
  • Gartenarbeit in Erde, die mit Katzenkot verunreinigt ist
  • Kontakt mit Sand auf Kinderspielplätzen

Ungewaschenes Obst und Gemüse

Rohes Gemüse und Obst kann mit Erde kontaminiert sein, die Oozysten des Parasiten enthält. Gründliches Waschen unter fließendem Wasser entfernt die Erreger. 

Weitere, seltene Übertragungswege sind kontaminiertes Trinkwasser, Rohmilchprodukte von infizierten Tieren oder in sehr seltenen Fällen Bluttransfusionen.

Risiken für Mutter und ungeborenes Kind

Eine Toxoplasmose-Erstinfektion verläuft bei Schwangeren selbst meist mild oder symptomfrei. Die eigentliche Gefahr besteht für das ungeborene Kind, wenn die mütterliche Infektion über die Plazenta übertragen wird. Aber nicht jede mütterliche Infektion führt automatisch zur Übertragung auf das Baby. Das Risiko und die Folgen einer Übertragung hängen stark vom Zeitpunkt der Infektion ab.

Erstes Trimester (1.-12. Woche)

Die Übertragungsrate liegt bei etwa 15 Prozent. Erfolgt jedoch eine Übertragung, können die Folgen schwerwiegend sein. Mögliche Schädigungen umfassen Fehlbildungen des Gehirns, Augenschäden bis hin zur Erblindung oder schwere neurologische Beeinträchtigungen.

Zweites Trimester (13.-24. Woche)

Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt weiter an, aber die Schwere möglicher Schädigungen nimmt ab, bleibt aber bedeutsam.

Drittes Trimester (25. Woche bis Geburt)

Die Übertragungsrate erreicht bis zu 60 Prozent. Die Symptome beim Kind fallen meist milder aus und zeigen sich teilweise erst Monate oder Jahre nach der Geburt, etwa durch Augenentzündungen oder Entwicklungsverzögerungen.

Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung lässt sich das Übertragungsrisiko deutlich senken und die Schwere möglicher Folgen reduzieren.

Test und Diagnose: Gewissheit schaffen

Der Toxoplasmose-Antikörper-Test gibt Informationen über eine mögliche Infektion. Das Blut wird auf zwei Arten von Antikörpern untersucht:

  • IgG-Antikörper zeigen eine zurückliegende Infektion an. Sind sie nachweisbar, besteht lebenslanger Schutz – die Schwangere und ihr Baby sind nicht gefährdet.
  • IgM-Antikörper deuten auf eine frische oder kürzlich durchgemachte Infektion hin. Bei positivem IgM-Befund sind weitere Untersuchungen nötig, um den genauen Infektionszeitpunkt zu bestimmen.

“Der Toxoplasmose-Test gehört nicht zu den standardmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, ist aber idealerweise schon bei Kinderwunsch oder zu Beginn der Schwangerschaft sinnvoll. Bei negativem Befund sollten Schwangere die Schutzmaßnahmen konsequent einhalten und den Test alle 8 bis 12 Wochen wiederholen, um eine frische Infektion rechtzeitig zu erkennen." so Dr. med. Constantin Weichert, Assistenzarzt für Innere Medizin/Nephrologie.

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Symptome erkennen: Woran merkt man eine Infektion?

Die Herausforderung bei Toxoplasmose: 80 bis 90 Prozent der Betroffenen bemerken eine Infektion nicht. Die meisten aller Infektionen verlaufen völlig symptomfrei. Treten Beschwerden auf, ähneln sie oft einer leichten Grippe:

  • Geschwollene Lymphknoten, besonders am Hals
  • Leichtes Fieber
  • Müdigkeit und Abgeschlossenheit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Gelegentlich leichter Hautausschlag

Diese unspezifischen Symptome werden häufig als harmlose Erkältung in der Schwangerschaft fehlgedeutet. Genau deshalb ist die Toxoplasmose so tückisch und eine Infektion bleibt ohne Test oft unentdeckt.

Schwangere ohne Immunschutz sollten bei grippeähnlichen Symptomen, geschwollenen Lymphknoten oder nach möglichem Kontakt mit Infektionsquellen zeitnah ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt kontaktieren. Ein Bluttest schafft schnell Klarheit.

Therapie bei Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Wird eine Erstinfektion nachgewiesen, beginnt sofort eine Behandlung mit Antibiotika. Ziel ist es, die Übertragung auf das Baby zu verhindern oder abzumildern.

Je nach Schwangerschaftswoche kommen unterschiedliche Medikamente zum Einsatz: In den ersten 16 Wochen wird ein Antibiotikum eingesetzt, das sich in der Plazenta anreichert. Ab der 16. Woche erfolgt die Therapie mit einer Wirkstoffkombination.

Während der gesamten Behandlung kontrollieren Ärzte regelmäßig per Ultraschall, ob es dem Baby gut geht. Nach der Geburt werden gefährdete Kinder untersucht und falls nötig behandelt.

Prävention: So schützen Sie sich und Ihr Baby

Schwangere ohne Immunschutz können ihr Infektionsrisiko durch einfache Maßnahmen deutlich reduzieren:

Hygienemaßnahmen im Umgang mit Katzen

Katzen müssen nicht abgegeben werden. Das Risiko lässt sich durch Hygiene minimieren:

  • Die Katzentoilette sollte nicht von der Schwangeren gereinigt werden. Die Person, die die Reinigung durchführt, sollte Handschuhe tragen. 
  • Wohnungskatzen, die kein rohes Fleisch erhalten, stellen ein sehr geringes Risiko dar
  • Freigänger haben ein höheres Infektionsrisiko, da sie beim Jagen infizierte Beutetiere fressen können
  • Das Streicheln von Katzen ist unbedenklich – Toxoplasmose wird nicht über das Fell übertragen
  • Bei Gartenarbeit Handschuhe tragen und Hände anschließend gründlich waschen
  • Sandkästen für Kinder abdecken, um Verunreinigungen zu vermeiden

Sichere Ernährung in der Schwangerschaft

Die bewusste Ernährung in der Schwangerschaft ist die wichtigste Schutzmaßnahme:

  • Fleisch stets gut durchgaren (Kerntemperatur mindestens 70 °C für 3-4 Minuten)
  • Auf rohes und halbgares Fleisch verzichten: kein Tartar, Carpaccio, Mett, Salami, roher Schinken
  • Obst, Gemüse und Salat gründlich unter fließendem Wasser waschen
  • Küchenutensilien nach Kontakt mit rohem Fleisch sofort reinigen
  • Hände nach Zubereitung von rohem Fleisch gründlich waschen, oder Handschuhe tragen
  • Rohmilchprodukte meiden

Weitere Schutzmaßnahmen im Alltag

  • Nach Kontakt mit Erde (Gartenarbeit, Blumentöpfe umtopfen) Hände gründlich waschen
  • In Regionen mit unzureichender Trinkwasserqualität nur abgekochtes oder abgepacktes Wasser trinken
  • Bei Reisen in Länder mit hohem Infektionsrisiko besonders vorsichtig sein

Diese Maßnahmen mögen im Alltag manchmal lästig erscheinen, bieten aber wirksamen Schutz für das ungeborene Kind.

FAQ

Eine Toxoplasmose-Erstinfektion kann in jeder Phase der Schwangerschaft gefährlich sein. Im ersten Trimester ist das Übertragungsrisiko zwar geringer (etwa 15 Prozent), mögliche Schäden fallen jedoch am schwersten aus. Bis zum dritten Trimester steigt die Übertragungswahrscheinlichkeit auf 60 Prozent, während die Schwere der Symptome abnimmt. 

Die meisten Schwangeren bemerken eine Toxoplasmose-Infektion nicht. Etwa 80 bis 90 Prozent verlaufen symptomfrei. Treten Symptome auf, ähneln sie einer leichten Grippe: geschwollene Lymphknoten (besonders am Hals), leichtes Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen. Wegen der unspezifischen Symptome ist nur ein Bluttest verlässlich.

Ein einfacher Bluttest zeigt, ob bereits Antikörper gegen Toxoplasmose vorhanden sind. Sind IgG-Antikörper nachweisbar, besteht lebenslanger Schutz – eine frühere Infektion hat bereits stattgefunden. Bei fehlendem Immunschutz (IgG negativ) sollten Schwangere die Schutzmaßnahmen befolgen und den Test während der Schwangerschaft wiederholen.

Frühe Infektionen (erstes Trimester) werden seltener übertragen, können aber zu schweren Schädigungen wie Gehirnfehlbildungen oder Augenschäden führen. Spätere Infektionen werden häufiger übertragen, verlaufen aber meist milder. Mit frühzeitiger Behandlung lässt sich das Risiko deutlich senken.

www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Toxoplasmose.html, abgerufen am 12.01.2026

www.familienplanung.de/schwangerschaft/beschwerden-und-krankheiten/akute-erkrankungen-und-infektionen/toxoplasmose/, abgerufen am 12.01.2026

www.aerzteblatt.de/archiv/toxoplasmose-in-der-schwangerschaft-a555ec89-19b8-4f7e-9eba-dcb7617dd8a7, abgerufen am 12.01.2026

www.dge.de/presse/meldungen/2011-2018/was-schwangere-nicht-essen-sollten/, abgerufen am 12.01.2026

www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Toxoplasmose.html, abgerufen am 12.01.2026

www.familienplanung.de/schwangerschaft/beschwerden-und-krankheiten/akute-erkrankungen-und-infektionen/toxoplasmose/, abgerufen am 12.01.2026

www.aerzteblatt.de/archiv/toxoplasmose-in-der-schwangerschaft-a555ec89-19b8-4f7e-9eba-dcb7617dd8a7, abgerufen am 12.01.2026

www.dge.de/presse/meldungen/2011-2018/was-schwangere-nicht-essen-sollten/, abgerufen am 12.01.2026

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