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Warum Progesteron zuerst sinkt und Östrogen später folgt Hormone in den Wechseljahren
Viele Wechseljahresbeschwerden haben eine gemeinsame Ursache: Die Hormone verschieben sich. Wer versteht, wie Progesteron und Östrogen zusammenwirken, kann die eigenen Beschwerden besser einordnen.
In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt des Körpers. Wenn der Eisprung seltener oder unregelmäßig stattfindet, produziert der Körper zunehmend weniger Progesteron.
Der sinkende Progesteronspiegel verursacht dabei häufig keine oder nur wenig spürbare Beschwerden.
Der Östrogenspiegel verändert sich meist etwas später, kann im weiteren Verlauf jedoch deutlich stärker schwanken und abfallen.
Vor allem die Veränderungen des Östrogenspiegels werden mit vielen typischen Beschwerden der Wechseljahre in Verbindung gebracht.
Ob eine Hormonersatztherapie in Frage kommt um Beschwerden zu lindern, sollte individuell mit den Arzt besprochen werden.
Welche Hormone verändern sich in den Wechseljahren?
Ein fein abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Hormone steuert den weiblichen Zyklus. Bis zu den Wechseljahren produzieren vor allem die Eierstöcke diese Hormone im monatlichen Wechselspiel. Mit Beginn der Wechseljahre gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken, und mehrere Botenstoffe verändern sich in unterschiedlichem Tempo.
Die wichtigsten Akteure im Überblick:
Östrogen: baut die Gebärmutterschleimhaut auf, stärkt Knochen, hält Haut und Schleimhäute elastisch und beeinflusst zudem den Fettstoffwechsel
Progesteron: bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor, wirkt beruhigend auf das Nervensystem und unterstützt einen erholsamen Schlaf
Gestagen: Sammelbegriff für Progesteron und verwandte, teils künstlich hergestellte Hormone, die die Gebärmutterschleimhaut stabilisieren
FSH (follikelstimulierendes Hormon): steuert die Reifung der Eizellen und steigt an, sobald die Eierstöcke weniger Östrogen produzieren
LH (luteinisierendes Hormin): induziert die Ovulation
Nicht alle Hormone verändern sich gleichzeitig. Progesteron sinkt meist zuerst, oft schon Jahre vor den ersten spürbaren Beschwerden. Östrogen sinkt zu Beginn nur gering ab, später dann aber deutlicher und mit stärkeren Auswirkungen auf den Körper. Insgesamt erstreckt sich dieser hormonelle Übergang über mehrere Jahre, bis der Zyklus schließlich ganz ausbleibt.
Im Durchschnitt erleben Frauen in Deutschland ihre letzte Regelblutung mit 51 Jahren, der Zeitpunkt kann individuell aber stark variieren. Der FSH-Wert lässt sich zwar im Blut messen, für die Diagnose der Wechseljahre ist er jedoch nur bedingt aussagekräftig, da er im Tagesverlauf schwankt.
Diese Verschiebung verläuft in 4 Phasen der Wechseljahre, die sich durch unterschiedliche Hormonverläufe unterscheiden lassen.
Progesteronmangel: Die erste Veränderung
Progesteron ist häufig das erste Hormon, das messbar sinkt. Dieser Rückgang beginnt oft schon Jahre vor den klassischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und bleibt deshalb lange unbemerkt.
Der Grund liegt im Eisprung: Progesteron entsteht vor allem im sogenannten Gelbkörper, der sich nach dem Eisprung bildet. Bleibt der Eisprung aus oder wird er unregelmäßiger, produziert der Körper weniger Progesteron. In dieser Übergangsphase, der sogenannten Prämenopause, bemerken viele Frauen die Veränderungen zunächst nur am Zyklus selbst und führen sie eher auf Stress als auf die Wechseljahre zurück.
Typische Anzeichen für einen Progesteronmangel in den Wechseljahren sind:
Der Östrogenspiegel bleibt in dieser frühen Phase meist noch stabil oder sinkt nur leicht. Dadurch überwiegt Östrogen relativ zum sinkenden Progesteron, was einige der genannten Beschwerden zusätzlich verstärken kann.
Östrogenmangel: Die spürbare Veränderung
Östrogen verändert sich in den Wechseljahren später als Progesteron, dafür umso deutlicher. Diese Phase spüren die meisten Frauen am stärksten, weil Östrogen im gesamten Körper wirkt.
Kurzfristige Auswirkungen
Ein sinkender Östrogenspiegel wirkt sich direkt auf den Wärmehaushalt, den Schlaf und die Schleimhäute aus. Warum genau Hitzewallungen entstehen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich gerät durch den Hormonabfall der Wärmehaushalt im Gehirn kurzzeitig aus dem Takt.
Besonders nächtliche Hitzewallungen können den Schlaf empfindlich stören, was sich wiederum auf Konzentration und Stimmung am Tag auswirkt. Auch das Risiko für Blasenentzündungen kann durch die veränderte Schleimhaut ansteigen.
Diese Beschwerden gehen bei den meisten Frauen nach einigen Jahren von selbst zurück. Anders sieht es bei den langfristigen Folgen aus.
Langfristige Auswirkungen
Über die Jahre hinweg wirkt sich der Östrogenmangel auch auf die Knochen aus. Östrogen schützt die Knochendichte, daher steigt mit sinkendem Östrogenspiegel das Risiko für Osteoporose. Besonders in den ersten Jahren nach der letzten Regelblutung beschleunigt sich der Knochenabbau spürbar, eine ausreichende Versorgung mit Calcium, Vitamin D und regelmäßige belastende Bewegung wie gehen oder Treppensteigen und Krafttraining können diesem Prozess entgegenwirken.
Wie stark sich diese Veränderungen über die Perimenopause hinweg entwickeln, hängt von Frau zu Frau unterschiedlich stark ab.
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Beschwerden in den Wechseljahren entstehen nicht allein durch niedrige Hormonwerte. Entscheidend sind vor allem die Schwankungen, mit denen der Körper zurechtkommen muss.
Wie stark eine Frau die hormonelle Umstellung spürt, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Frauen bemerken kaum Veränderungen, andere leiden über Jahre unter ausgeprägten Beschwerden. Eine verlässliche Vorhersage ist bisher nicht möglich.
Fachleute vermuten, dass unterschiedlich empfindliche Hormonrezeptoren, die genetische Veranlagung und der allgemeine Lebensstil eine Rolle spielen, auch wenn die genauen Mechanismen noch erforscht werden.
Für die Diagnose spielen Hormonwerte im Blut meist eine untergeordnete Rolle. Aussagekräftiger ist die Symptomatik: welche Beschwerden bestehen, wie stark sie ausfallen und wie sehr sie den Alltag beeinträchtigen. Auch die Intensität einzelner Beschwerden kann sich innerhalb weniger Monate verändern. Genau deshalb hilft es, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, statt Beschwerden vorschnell mit denen anderer Frauen zu vergleichen. „Ein Symptomtagebuch hilft vielen Frauen, Muster zu erkennen und das Gespräch in der Arztpraxis gezielter zu führen“, so Dr. med. Constantin Weichert.
Behandlungsoptionen bei Hormonmangel
Viele Frauen kommen ohne Hormontherapie gut durch die Wechseljahre. Vor allem Frauen mit stark ausgeprägten Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Scheidentrockenheit ziehen eine Hormonersatztherapie in Betracht.
Hormonersatztherapie als Option
Die Hormonersatztherapie (HRT) kann den Hormonmangel gezielt ausgleichen. In der Postmenopause hilft sie vor allem gegen einen ausgeprägten Östrogenmangel, sofern der Leidensdruck das rechtfertigt. Ärztinnen und Ärzte passen Dosierung und Darreichungsform, etwa Tabletten, Pflaster oder Gel, individuell an die jeweilige Situation an.
Welche Präparate infrage kommen und wie sich Nutzen und Risiken einer Hormontherapie im Detail darstellen, unterscheidet sich von Frau zu Frau.
Über eine Hormonersatztherapie entscheiden Frauen am besten gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Nutzen und Risiken lassen sich nur individuell abwägen, abhängig von Vorerkrankungen und persönlichen Risikofaktoren. Frauen mit Thrombosen in der Vorgeschichte oder Brustkrebs in der Familie benötigen dabei eine besonders sorgfältige Abwägung. Regelmäßige Kontrolltermine helfen, die Hormontherapie bei Bedarf anzupassen oder frühzeitig zu beenden.
Nutzen und Risiken abwägen
Präparate mit Östrogen und Gestagen zählen zu den wirksamsten Mitteln gegen Hitzewallungen und Schlafstörungen. Gleichzeitig steigt mit der Anwendungsdauer das Risiko für Nebenwirkungen wie Thrombosen oder Brustkrebs leicht an.
Bei einer reinen Östrogenbehandlung, wie sie nach einer Gebärmutterentfernung infrage kommt, fällt das Brustkrebsrisiko den Studien zufolge niedriger aus als bei der Kombination aus Östrogen und Gestagen. Eine kurze Anwendung in möglichst niedriger Dosierung gilt daher meist als sinnvollster Weg.
„Ältere Studien haben viele Frauen verunsichert. Inzwischen zeigt die Forschung, dass niedrig dosierte, individuell abgestimmte Therapien das Risiko-Nutzen-Verhältnis deutlich verbessern“, so Dr. med. Constantin Weichert.
Bioidentische Hormone: Kritisch betrachtet
Neben klassischen Präparaten taucht im Zusammenhang mit der Hormonersatztherapie häufig noch ein anderer Begriff auf: Der Begriff bioidentische Hormone bezeichnet Präparate, deren chemische Struktur exakt der körpereigenen Hormone entspricht. Hersteller stellen sie halbsynthetisch aus pflanzlichen Ausgangsstoffen her und bewerben sie oft als besonders natürlich oder risikoarm. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt es jedoch nicht: Bioidentische Hormone sind weder sicherer noch wirksamer als andere zugelassene Präparate.
Auch reguläre, zugelassene Hormonpräparate enthalten teilweise Hormone mit identischer chemischer Struktur, der eigentliche Unterschied liegt vor allem in der Herstellung und Qualitätskontrolle. Individuell in der Apotheke angefertigte Präparate unterliegen häufig keiner einheitlichen Prüfung.
Autorin: Nele Dornbusch (suxeedo Redaktion), Expertenunterstützung Dr. med. Constantin Weichert (Arzt)
FAQ
Nicht alle Hormone verändern sich während der Wechseljahre gleichzeitig. Progesteron nimmt häufig als erstes ab – teilweise bereits Jahre, bevor erste Beschwerden spürbar werden. Auch der Östrogenspiegel verändert sich zunächst nur geringfügig, sinkt im weiteren Verlauf jedoch stärker ab. Dies kann sich zunehmend auf verschiedene Körperfunktionen auswirken. Insgesamt erstreckt sich die hormonelle Umstellung über mehrere Jahre, bis die Menstruation schließlich vollständig ausbleibt.
Während der Wechseljahre verändert sich der Östrogenspiegel meist später als der Progesteronspiegel, dafür jedoch deutlich stärker. Viele Frauen nehmen diese Veränderungen besonders intensiv wahr, da Östrogen zahlreiche Prozesse im gesamten Körper beeinflusst. Die Veränderung wirkt sich direkt auf den Wärmehaushalt, den Schlaf und die Schleimhäute aus. Östrogen schützt auch die Knochendichte, daher steigt mit sinkendem Östrogenspiegel das Risiko für Osteoporose.
Eine wichtige Rolle spielen die hormonellen Schwankungen, an die sich der Körper zunächst anpassen muss. Fachleute gehen davon aus, dass unter anderem die individuelle Empfindlichkeit der Hormonrezeptoren, genetische Faktoren und der persönliche Lebensstil Einfluss darauf haben. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.
www.gesundheitsinformation.de/wechseljahrsbeschwerden.html, abgerufen am 21.07.2026
www.gesundheitsinformation.de/hormontherapie-gegen-wechseljahrsbeschwerden.html, abgerufen am 21.07.2026
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-062l_S3_HT_Peri-Postmenopause-Diagnostik-Interventionen_2021-01.pdf, abgerufen am 21.07.2026
edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/3216/206ee9py9oog_06.pdf, abgerufen am 21.07.2026
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